Bundeswehrreform
Äußerte sich kritisch über die Zuverlässigkeit der Rüstungsindustrie: MdB Rainer Erdel von der FDP. Foto: Falk HEIDENHEIM (fa) - Der Dämmerschoppen der Kameradschaft der Hahnenkammkaserne ist ein Forum, das sich den aktuellen Fragen der Bundeswehr widmet. Am Dienstag war zum zweiten Mal der FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Erdel beim "Posthalter" zu Gast. Er informierte über die Bundeswehrreform.
Nach Angaben von Rainer Erdel, der erst in den letzten Tagen noch Gespräche mit führenden Militärs hatte, wird nicht nur die Truppe reduziert, sondern auch das Bundesverteidigungsministerium. Es soll von 3050 Bediensteten auf 1800 reduziert werden. Er geht davon aus, dass formal der Sitz des Ministeriums in Bonn verbleiben wird, aber tatsächlich immer mehr Stäbe nach Berlin gehen.
Der FDP-Politiker sieht die "allergrößten Probleme" bei der Rüstungsindustrie, die Lieferversprechungen nicht einhalten kann. Dafür nannte er mehrere Beispiel, darunter einen Fall aus der Marine. Sie hat fünf Kriegsschiffe bestellt, aber die sind mehr oder minder gar nicht einsatzfähig. Zunächst habe es Mängel beim Getriebe gegeben, jetzt reichten die Kupplungen nicht aus. Die Vorfälle reichten bis zur Havarie. Erdel ("Eine ganz schlimme Geschichte") ist deshalb von der Rüstungsindustrie so enttäutscht, weil sie stets hohe Ansprüche an die Politik habe, selbst aber nicht die zugesicherten Lieferungen einhalten könne.
Der Abgeordnete nannte noch einen weiteren Schwachpunkt der Bundeswehrausrüstung, der aber nicht auf das Konto der Industrie geht: den "Tiger"-Kampfhubschrauber. Für den Einsatz in Afghanistan braucht er ein ISAF-taugliches viertes Funkgerät, was bedeutet, dass die ganze Verkabelung ausgetauscht werden muss.
Auch bei den Eurofightern steht der Bund vor dem Problem, dass er sich die bestellten 177 Hubschrauber nicht mehr leisten kann. Er hat die Menge daher auf 140 reduziert und muss die restlichen an andere Länder verkaufen. Ähnlich verhält es sich mit den 200 Schützenpanzern, die bestellt sind. Die Latte der Dinge, die den Verteidigungspolitiker ärgern, ist aber noch länger. "Ein Prozess, der nie ein Ende findet? ist seiner Meinung nach das "Herkules"-System für die Truppenverwaltung: "Mal passt die Software nicht, dann gibt es wieder Mängel bei der Hardware." Erdel glaubt, dass die Ansprüche viel zu hoch geschraubt werden und sagt: "Der Personaloffizier in Glücksburg muss nicht zwingend wissen, wie viele Schrauben die Instandsetzung in Berchtesgaden hat." Nicht glücklich ist er auch über die Beschaffung von sieben "Orion"-Flugzeugen, die den Holländern abgekauft wurden. Sechs sind nämlich waren nach deutschen Regeln zunächst gar nicht flugfähig. "Zwei fliegen jetzt im Piratenkampf, nachdem sie für 150 Millionen Euro repariert wurden. Im Vergleich: ein neuer Airbus kostet 40 bis 50 Millionen."
87 Monate Lieferverzug hat der neue Marinehubschrauber NH 90, der von Eurocopter produziert wird. Erdel: "Ihn gibt es bisher nur auf dem Papier, seit zwanzig Jahren wird an ihm geplant." Weil es der Wille der Politik ist, soll er in Donauwörth produziert werden, die Marine jedoch möchte den viel schneller verfügbaren "Sikorsky", der schon seine Flugtauglichkeit bewiesen hat.



