Dioxin im Futtermittel – Was ist zu tun?
Agrarausschuss berät über Dioxin-Funde 

Rainer Erdel im Labor der FH Ansbach In den letzten Wochen wurde das Thema Dioxin in Lebensmitteln intensiv in den Medien behandelt. Als Mitglied des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nahm auch Rainer Erdel, MdB an einer Sondersitzung des Ausschusses in Berlin teil und diskutierte mit den betroffenen Landesregierungen und staatlichen Stellen.
Im Augenblick hat es den Anschein, dass ein kleiner Futtermittelhersteller (15 Mitarbeiter) mit erheblicher krimineller Energie dioxinbelastete Fettsäuren, die nicht für die Futtermittelherstellung freigegeben waren, in Futterfett eingemischt hat. Dazu muss man wissen, dass futtermittelgeeignete Fettsäuren etwa drei- bis sechsmal teurer sind wie sogenannte technische Fettsäuren. Das in dieser Firma hergestellte Futterfett wurde dann an nicht weniger als 25 Mischfutterhersteller geliefert, dort eingemischt und somit weiter "verdünnt". So erklärt sich auch die erhebliche Dimension des Skandals - immerhin geht es um bis zu 150.000 Tonnen kontaminierter Futtermittel, die an zahlreiche Bauern geliefert wurden.
Um die Verbraucher zu schützen, haben die zuständigen Landesbehörden schnell und energisch reagiert und die Futtermittelbetriebe und über 4.700 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt. Diese Betriebe durften ihre Ware also erst verkaufen, wenn nachgewiesen war, dass ihre Produkte dioxinfrei sind. Betroffen waren Geflügelhalter, Legehennenbetriebe - vor allem aber rund 700 Rinderhalter und fast 3.500 Schweinezüchter. Nachgewiesen wurden erhöhte Dioxinwerte in Eiern und Schweinefleisch. Inzwischen sind allerdings die meisten Betriebe wieder freigegeben. Die Schäden für die Bauern betrugen jedoch etwa 40-60 Millionen Euro pro Woche. Weder die Versicherungen der Bauern noch die Seuchenkassen zahlen für diese Ausfälle. Dass es gelingt Schadenersatz gegenüber den Futtermittelherstellern geltend zu machen, ist keineswegs sicher.
Aus politischer Sicht gilt es nun einerseits zu klären, woher das Dioxin ursprünglich kam - dies ist noch immer völlig unklar. Andererseits stellt sich die Frage, wie man verhindert, dass Unternehmen vorsätzlich oder versehentlich belastete Vorprodukte bei der Futtermittelherstellung verwenden. "Hier gibt es einige sinnvolle Vorschläge", erklärt der Landwirtschaftsexperte Erdel und führt weiter aus: "Beispielsweise erscheint es sinnvoll, dass die Futtermittelhersteller verpflichtet werden umfangreichere Kontrollen als bisher durchzuführen und die Ergebnisse den Kontrollbehörden mitzuteilen. Auch muss sichergestellt werden, dass die entstandenen Schäden auch durch die Verursacher gezahlt werden. Wie man an diesem Fall sieht, reicht bereits ein einzelnes schwarzes Schaf um gewaltige Einnahmeausfälle in der Landwirtschaft zu verursachen. Es kann nicht die Aufgabe des Staates sein für das Fehlverhalten einzelner Unternehmen zu haften. Stattdessen braucht es eine Pflichthaftpflicht der Futtermittelbranche, die solche Vorkommnisse künftig abdeckt. Darüber hinaus gilt es die geltenden Strafen für Futtermittelpanscher auf den Prüfstand zu stellen, Fette die nur für technische Zwecke eingesetzt werden dürfen künftig einzufärben und futtermittelherstellende Betriebe sollten künftig eine gesonderte Zulassung benötigen."
Der Abgeordnete will aber auch allzu aufgeregten Berichterstattungen und übertriebenen Befürchtungen entgegentreten, und noch einmal darauf hinweisen, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung keine akute Gesundheitsgefährdung durch die aktuellen Dioxinfunde sieht. Zwar wird Dioxin im menschlichen Organismus nur sehr langsam abgebaut und reichert sich deswegen an. Auch trifft es zu, dass Dioxin in großen Dosen das Immun- und Nervensystem schädigen kann und krebserregend wirkt. Jeder Mensch nimmt jedoch durch verschiedene Nahrungsmittel ständig gewisse Mengen Dioxin auf. "Von einer für einen erwachsenen Menschen gefährlichen Aufnahme von Dioxin beim Menschen spricht man bei mehr als 980 Pikogramm pro Woche. Hierzu müsste man beispielsweise 16-20 dioxinbelastete Eier pro Woche essen. Die Senkung der Dioxinaufnahme durch die Nahrung bleibt aber natürlich ein wichtiges politisches Ziel. Fortschritte wurden dabei bereits erzielt. So ist es in den letzten 20 Jahren etwa gelungen den Dioxingehalt in der Milch um 80% zu senken", so Erdel.
Nicht nachvollziehbar ist für den Agrarpolitiker, wenn Teile der Opposition versuchen die Dioxinfunde ideologisch zu instrumentalisieren: "Weder gibt es einen schlüssigen Zusammenhang zwischen intensiver Landwirtschaft und den Dioxinfunden, noch stimmt die Behauptung, dass Bio-Produkte von der Dioxinproblematik grundsätzlich nicht betroffen seien. Gerade im Bio-Bereich gab es in den letzten Jahren immer wieder Dioxinfunde und speziell Bio-Eier haben tendenziell häufiger hohe Dioxinwerte, da die Legehennen auf kontaminiertem Grund scharren", stellt Erdel fest.
Zum Thema Dioxinfunde in Futtermitteln gibt es auch ein Positionspapier der FDP.



