Rainer Erdel - Ihr Bundestagsabgeordneter für Ansbach-Land, Ansbach, Weißenburg und Gunzenhausen

Mittwoch, 22. Februar 2012
14.12.2011

Gunzenhausen bereitet sich auf Energiewende vor

Werner Falk berichtet über die Altmühlrunde


MdB Klaus Breil: „Bayern bleibt Vorreiter in Deutschland“. Foto: Falk
GUNZENHAUSEN 
- Der Atomausstieg ist beschlossene Sache, aber kann Deutschlands seinen Energiebedarf ohne die Kernenergie decken? Mit dieser Frage beschäftigten sich auf der „Altmühlrunde“ des FDP-Bundestagsabgeordneten Rainer Erdel zwei Experten: der energiepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Klaus Breil aus Bernried, und Norbert Bleisteiner, der Leiter der Landmaschinenschule in Triesdorf.


Breil ist auch im Beirat der Bundesnetzagentur und hat schon allein deshalb einen guten Einblick in die Materie. Bevor er vor drei Jahren in das Parlament kam, war er Fondsmanager und hat Unternehmen und Branchen analysiert. Er sprach sich dafür aus, die staatliche Förderung für die neuen Energien ("anfüttern, nicht durchfüttern") nur in der Eingangsphase zu gewähren, danach müssten sich die Produkte selbst tragen. "Unser Ziel ist die Marktparität und Energie, die für jeden bezahlbar ist." Er sieht den Anspruch Deutschlands darin, die effektivste und umweltschonendste Volkswirtschaft der Welt zu werden. Das Land soll in zehn Jahren 50 Prozent seiner Energie aus regenerativen Quellen gewinnen.


Wie Breil in der "Altmühlrunde" im Parkhotel darstellte, soll im Freistaat die Wasserkraft so ausgebaut werden, dass sie 16 Prozent des Energiebedarfs in Bayern decken kann. Wie er beklagt, hat es in der Vergangenheit viele regulative Hürden gegeben ("Söder hatte die Wasserkraft nicht auf dem Radarschirm"). Ein Stiefkind sei bisher die Windkraft gewesen (0,6 Milliarden Kilowattstunden). Sie soll auf 5,9 Milliarden Kilowattstunden ausgebaut werden. Im Moment sei eine Evaluierung im ganzen Freistaat im Gange. Die Planungsverbände seien aufgefordert, die besten Standorte zu benennen. Langfristig können im Freistaat sechs bis zehn Prozent des Energiebedarfs durch Windkraft gedeckt werden.


Die Bioenergie soll von 5,8 auf acht Milliarden Kilowattstunden ausgebaut werden und danach zehn Prozent des Bedarfs abdecken. Von der Solarenergie erwartet sich Breil in einigen Jahren einen Anteil von 16 Prozent. Die Tiefengeothermie wird nach seiner Einschätzung wohl immer eine Nische sein (derzeit produziert sie ein Prozent des Verbrauchs). Der FDP-Politiker aus Oberbayern sieht Bayern in einer Vorreiterrolle in Deutschland: "Und das wird so bleiben."
 


Norbert Bleisteiner von der Landmaschinenschule Triesdorf. Foto: Falk
"Die Biomasse wird ein knapper Faktor". Das sagt Norbert Bleisteiner, der seit zwei Jahren die Landmaschinenschule des Bezirks in Triesdorf leitet und der zuvor fünfzehn Jahre als betriebswirtschaftlicher Lehrbeauftragter tätig war.  Er gibt sich als Realist, der all die Ansprüche kennt und deshalb sagt: "Die Ziele und die praktische Umsetzung laufen auseinander." Die erneuerbaren Energien, die heute zu 17 Prozent in Bayern den Energiebedarf decken, sollen mittelfristig bis auf 35 Prozent ausgebaut werden, im Jahr 2050 sollen sie sogar einen Wert von 80 Prozent erreichen.

Bleisteiner rechnet nicht damit, dass zu den 170 Biogasanlagen im Kreis Ansbach und den 65 im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen noch recht viel neue dazukommen. Bisher gibt es in Deutschland 7000 Anlagen, allein in den letzten drei Jahren sind jeweils 1000 neue dazugekommen. Er geht davon aus, dass künftig nur mehr 100 bis 200 neue Anlagen im Bundesgebiet errichtet werden. Gerade bei den Biogasanlagen gibt es nämlich erhebliche Negativfaktoren wie Transport, das Maismonopol, die Feldwegüberlastung, die angreifbare Energiebilanz, die Bedenken der Jäger, Pferdehalter und Imker und nicht zuletzt auch das Gesundheitsrisiko (Botulismus).  

Die hohen Erwartungen an die Windkraft sind nach seinen Worten in den letzten Jahren nicht erfüllt worden. Vieles sei noch unklar: "Wir vermuten, dass die Wirtschaftlichkeit mit der Höhe der Windräder steigt, wissen es aber noch nicht genau." Er fürchtet, dass es zu noch mehr Akzeptanzproblemen in der Gesellschaft kommt, denn: "55 Prozent der Bevölkerung stimmen der Windenergie zu, aber niemand will die Windräder in seinem Umfeld."

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