Interessant, aber anstrengend
Michael Roth berichtet über seine Zeit als ''Abgeordneter'' 

Mittelfranken im Bundestag: Christoph Wüstner, Rainer Erdel und Michael Roth (v.l.n.r.) Wie genau der Bundestag arbeitet, wie ein Gesetz zustande kommt und wie schwer es sein kann die notwendigen Stimmen für ein Gesetz zu organisieren, all das wusste ich noch nicht als ich Samstag Nachmittag in Berlin ankam, um an Jugend und Parlament teilzunehmen.
Zum Glück waren wir "nur" 312 Jugendliche anstatt wie im echten Bundestag 620, wir wurden jedoch alphabetisch in die Fraktionen eingeteilt, was dazu führte, dass man in jeder Partei die unterschiedlichsten politischen Überzeugungen hatte; so waren z.B. bei mir in der Liberalen Reform Partei (der "Spielname" der FDP) von Mitgliedern der JU bist zu einem überzeugten Kommunisten alle politischen Anschauungen vertreten. Dennoch mussten dann aber alle liberal denken und argumentieren. Nachdem wir in Ausschüsse eingeteilt, und damit auch in die Arbeitskreise der Fraktion, wurden die Gesetzesvorlagen durchgesprochen. Da ich im Ausschuss "Familie" war, bearbeitete ich mit den Mitgliedern der Ausschüsse "Recht" und "Inneres" den Vorschlag zur Änderung des Wahlrechts. Wir besprachen die Position der LRP zu der Gesetzesvorlage und veränderten diese, so dass sie unseren Wünschen entsprach, so haben wir z.B. das Familienwahlrecht aufgrund seiner Verfassungswidrigkeit gestrichen.
Schließlich bekam ich dann Gelegenheit Herrn Erdel, der Abgeordnete meines Wahlkreises Ansbach/Gunzenhausen, der mich zu der Veranstaltung eingeladen hat, zu treffen und mich mit ihm zu unterhalten. Am letzten Tag kamen dann noch die Reden, die zum Teil sehr hitzig geführt wurden, und die Abstimmungen, bei denen wir alles auch so umsetzten konnten, wie wir es wollten, bis auf unseren Wahlrechtsvorschlag , da wir die notwenige 2/3 Mehrheit nicht bekommen haben. Es war totzdem ein überwältigendes Gefühl, weil sogar Besucher und Presse anwesend waren. Im Anschluss daran fand eine Podiumsdiskussion mit den Vertretern der 5 im Bundestag vertretenen Parteien statt. Mit Steinmeier, Trittin, Gysi und 2 Vertretern der Regierungsparteien redeten wir über bestimmte politische Themen wie z.B. die Energiewende. Am Ende gab es ein Gruppenphoto und eine Abschlussrede des Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Lammert. Die Veranstaltung war genau so, wie Herr Lammert es sich gewünscht hatte "Interessant, aber anstrengend."



