Thomas Hacker zu Gast in Mittelfranken
Werner Falk berichtet über die Altmühlrunde 

Der FDP-Landtagsfraktions-vorsitzende Thomas Hacker (links) war Gast bei der „Altmühlrunde“ des Bundestagsabgeordneten Rainer Erdel (rechts). Unser Bild zeigt sie zusammen mit Sigrid Niesta-Weiser, der Landratskandidatin der FDP. Foto: Falk GUNZENHAUSEN (fa) - "Das wird so kommen!" Thomas Hacker, der Fraktionschef der FDP im Bayerischen Landtag, rechnet damit, dass das wirtschaftlich ruinierte Griechenland bis Weihnachten eine eigene Währung bekommt. Er will aber nicht die Griechen aus der EU werfen, sondern bejaht ein abgestimmtes Vorgehen, das sich auf drei Säulen stützt: Aufbauprogramm für die Wirtschaft, Schuldenschnitt mit Einbeziehung der internationalen Banken und Austritt aus der Eurozone. Klappt das nicht, dann gibt es nach seiner Meinung "ein Schrecken ohne Ende".
Der Bayreuther Abgeordnete bekannte sich bei der "Altmühlrunde" im Parkhotel zur europäischen Solidarität und einem langfristig angelegten Regulierungsmechanismus, "was kein dauerhaftes Zahlen bedeutet". Wie Hacker ist auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Erdel dafür, dass die Parteimitglieder bei der anvisierten Befragung kühlen Kopf behalten und für ein geordnetes Verfahren stimmen. Er bejaht eine "geordnete Insolvenz" und begrüßt es, dass Instrumentarien entwickelt werden, die aus Griechenland eine Art Geschäftsmodell machen. Er nimmt die Vorgängerregierung in Mithaftung: "Die Ursachen waren auch dem damaligen Finanzminister Steinbrück bekannt, jetzt erleben wir die Wirkung." Dass sich Griechenland über alle Maßen verschuldet hat, das hätten die europäischen Regierungen früher schon akzeptiert und nie etwas dagegen unternommen.
Thomas Hacker, der Oberliberale im Landtag, ist ein Mann, der nicht die große Show abzieht. Ganz in der Manier des Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers hält er sich an die Fakten und meidet Emotionen. Der Vorsitzende des FC Bayreuth ist nicht abgehoben. Ganz im Gegenteil: er macht Urlaub am Brombachsee, und zwar als Betreuer einer Gruppe von Jugendlichen als "bildungsfernen" Familien. "So erfährt man viel", sagt er, "was notwendig ist im Land".
Wenn auch seine Partei gegenwärtig in den Umfragen am Boden liegt, so hat er den Glauben an die Menschen nicht verloren, die Politik rational sehen und erkennen, was beispielsweise die bayerische Staatsregierung leistet. So nimmt er für die FDP in Anspruch, die Einrichtung von Kinderkrippen vorangetrieben zu haben. "Früher waren die in Bayern verpöhnt", sagt er und erinnert an die Unionsstrategie von damals. Er spricht im Zusammenghang mit den offenen Ganztagsklassen von einem "Prozess der Erkenntnis" bei Koalitionspartner, der nicht mehr aufzuhalten ist. Hacker will sich aber nicht profilieren, indem er dem Koalitionspartner attackiert. Vielleicht ist das sogar sein Problem, dass er öffentlich nicht als "Wadlbeißer" wahrgenommen wird. Stattdessen bekräftigt er: "Bayern ist in der Finanzkrise weniger tief abgerutscht und früher wieder rausgekommen." Seine Liberalen im Landtag sieht er als "Kraft der Vernunft mit einer ordnungspolitisch geraden Linie". Dass Bayern heute wirtschaftlich glänzend da steht, spricht seiner Rede nach jedenfalls nicht gegen die Staatsregierung aus CSU und FDP.
Der Parteibasis rät der Fraktionschef, sich von Umfragen nicht irritieren und entmutigen zu lassen. In Bayern hätten die Liberalen nach dem etwas überraschenden Eintritt in die Staatsregierung gezeigt, dass sie auch ohne Probebühne das Land verändern könnten. "Wir müssen uns jedenfalls nicht vor der Opposition oder der CSU verstecken", gibt sich Hacke selbstbewusst.
Der stellvertretende Landesvorsitzende der bayerischen FDP ist Realist: "Wir brauchen jetzt eine Konsolidierung auf Bundesebene. Rainer Brüderle macht den Neuanfang wahrnehmbar." Was die Landespolitik angeht, so hätten die Seinen "noch einiges in petto". Und er vertraut darauf, dass die 31 Abgeordneten der Partei, die seit 2008 auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene tätig sind, als Team auftreten und "es schaffen". Es, das ist das politische Überleben der Partei.
Der Bundestagsabgeordnete Rainer Erdel reklamiert die Aussetzung der Wehrpflicht für die FDP, denn schließlich sei das eine alte Forderung der Partei gewesen noch bevor der Verteidigungsminister von der Union den Prozess eingeleitet habe.
"Wir sind als politische Kraft präsent und wollen Flagge zeigen", begründet Sigrid Niesta-Weiser ihre Landratskandidatur. Sie will in dem kurzen Wahlkampf einen Schwerpunkt setzen, und der lautet: Wie kann der Landkreis noch familienfreundlicher werden? Und sie möchte das Problem nicht nur auf die Betriebe fokussieren, sondern sieht eine koordinierende Funktion des Kreises. Ohne sich weiter zu konkretisieren, sagt sie: "Unser Kreis ist lebenswert."
Quelle: Werner Falk



